Wer bekommt bei diesen Schlagzeilen keine Vorfreude auf das heutige Champions League-Finale FC Bayern München – FC Chelsea (20.45 Uhr)?! Klickt (zwei Mal) auf die Grafiken, um diese zu vergrößern:
bundesliga.de:

welt.de:

fcbayern.de:

bild.de:

kicker.de:
![]()
sport.de:
faz.net:

Das Team des FCB hat sich heute mit einem offenen Brief an die Fans gewandt: Wir haben einen Traum. Lasst ihn uns wahr werden! An dieser Stelle auch der Hinweis auf unsere Umfrage im rechten Menü –> Wer gewinnt das CL-Finale ‘Dahoam’?
Gestern Abend kam es beim Relegationsspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC Berlin zu einer Platzstürmung vieler Düsseldorfer-Fans. Wir, Jonas und ich, haben dazu unterschiedliche Meinungen, die wir nachfolgend darlegen:
Statement von Andi: Was titelten die Zeitungen nicht alles: “Riesen-Skandal” (Bild, FOCUS online, Welt online), “Düsseldorf im Chaos” (FAZ), “Irre Fan-Ausschreitungen” (Münchner Abendzeitung) – mit der alleinigen Hoffnung, möglichst viele Leser zu gewinnen. Die Aufregung ist (fast) umsonst und bei den derzeitigen aufgeheizten Diskussionen (Pyrotechnik, Antisemitisches, Gewaltvorfälle) um deutsche Fußball-Fans ebenso nicht förderlich.
Auch ein Freund von mir schickte mir während des Vorfalles eine SMS mit den Worten: “Eine Schande für den Fußball”. Wer das Spiel nicht gesehen hat, fragt sich, um welchen Vorfall es sich handelt. Dazu dieses Youtube-Video anschauen, welches nach der 90 Min. handelt, konkret beginnt das Gezeigte in der 94. Min., kurz nach der Großchance vom Düsseldorfer Ranisav Jovanovic wird der Platz gestürmt. Einige Zuschauer hören einen Pfiff, denken an den Schlusspfiff, stürmen vor Freude den Platz, viele Hundert folgen, um den ersten Wiederaufstieg seit 15 (!) Jahren zu feiern. So wie es in zig anderen Stadien in der jüngsten Vergangenheit ebenso der Fall war. Das dumme in diesem Fall ist nur: Das Spiel war noch gar nicht zu Ende.
Schaut man sich die Szenen an, stellt man fest: Da ist ja gar kein Skandal, gar kein Chaos (im negativen Sinne), gar keine Ausschreitung. Es sind einfach nur Emotionen und Freude mit 100% Gewaltfreiheit und ohne Aggressivität. Keine Spieler, keine Ordner, keine Polizei, keine anderen Fans, keine Trainer wurden angegriffen. Die Fans wurden nun vom Stadionsprecher und von Düsseldorfer Spielern zurück auf die Tribüne / hinter die Werbebanden geschickt. Dass dies bei geschätzten 1000 Fans seine Zeit dauert, bis dort alle angekommen sind bzw. erst einmal alle begriffen haben, dass das Spiel eben noch nicht aus ist, sollte klar sein. Nachdem dies der Fall war, wurde der Platz schnell, 100% gewaltfrei und wieder ohne Aggressivität verlassen und die letzte Minute konnte zu Ende gespielt werden.
Hertha BSC hat heute Protest gegen die Wertung des Relegationspiels eingelegt und hofft auf eine Spiel-Wiederholung, denn laut Manager Michael Preetz hätten die Spieler Todesangst gehabt. Ich hoffe, dass dieser Protest abgewiesen wird, denn Hertha hat nicht wegen diesen Vorfällen die Rettung verpasst. Versteht mich nicht falsch, ich befürworte das Verhalten dieser Düsseldorfer Fans nicht, aber es war a) unbeabsichtigt und b) weitaus nicht so schlimm, wie es von vielen dargestellt wird.
Die von Preetz beschriebene Angst kann auch von einem ganz anderen Grund kommen: Die Hertha-Fans haben mehrfach bengalische Feuer gezündet. Ein ”Riesen-Skandal”.
Statement von Jonas:
Generell teile ich viele Aspekte, die Andi dargelegt hat. Dass das zitierte “Blutbad” und die “Todesangst” übertrieben sind, zum Beispiel.
Allerdings verstehe ich den Widerspruch der Hertha, mit dem ich auch fest gerechnet habe, und auch die Reaktion der Hertha-Spieler, erst einmal in der Kabine zu bleiben.
Zum ersten: Der Spielfluss wurde von dieser gut 20-minütigen Pause komplett zerstört. Selbst wenn es unwahrscheinlich gewesen wäre, dass die Hertha in den zwei Minuten Nachspielzeit noch ein Tor geschossen hätte, so wurde diese Wahrscheinlichkeit dadurch minimiert, dass die Spieler 20 Minuten erkalten un die Konzentration verlieren konnten.
Zum zweiten: Auch das längere Verbleiben in der Kabine erscheint mir sinnvoll. Vorher gab es schon Provokationen der Herthafans in Richtung der Düsseldorfer Fans, und die Befürchtung, dass deshalb Ausschreitungen auch gegen die Spieler stattfinden würden, halte ich nicht für zu weit hergeholt.
Insgesamt gefiel mir das Sicherheitskonzept der Düsseldorfer auch wenig. Es ist zwar eindeutig, dass das erste Gewaltpotentital von den Bengaloschmeißenden Fans der Hertha ausging, aber deshalb jegliche Polizisten diesen Block abschirmen zu lassen, war fahrlässig. Die Düsseldorfer Fans hatten dadurch die Möglichkeit – Bundesligaalltag untypisch – an den Spielfeldrand vorzudringen und einen gewissen Gefährdungsfaktor darzustellen.
Das Eingreifen dieser Fans in das Spiel, ohne auf den richtigen Apfiff zu warten, halte ich für noch fahrlässiger und dämlicher. Damit könnten die Fans es ihrem Verein noch versauen nach 15 Jahren wiederaufzusteigen. Werden wir sehen, was das Sportgericht entscheidet.
Auch wenn Freude über den Wiederaufstieg ein Grund zum Feiern ist, sollte diese sich doch in den gegebenen Maßen halten. Ich hätte hier den Spielabbruch mehr als legitimiert empfunden, da zumindest in der Situation Unklarheit über mögliches Gewaltpotential der Fans herrschte.
In St. Pauli – FC Schalke 04 musste hierfür nur ein Becher fliegen, genau wie bei Hertha BSC – Stuttgarter Kickers im Jahr zuvor. Das so ein Massenstürmen des Spielfeldes ungeahndet geblieben ist, verwundert mich auf jedenfall. Auch wenn das Spiel dadurch auf jedenfall einen gewissen Pepp bekommen hat, beziehungsweise auch Witz (vgl. Elfmeterpunktdieb).
Was aus dem Spiel und dem Aufstieg von Düsseldorf jetzt wird, entscheidet bald das Sportgericht, eine Entscheidung, die ich mit starkem Interesse verfolgen werde.
Wir freuen uns auf deine Meinung, die du gerne über die Kommentarfunktion oder Twitter (@zehnzueins) mitteilen darfst.
Die Ergebnisse stehen nun fest: Deutscher Meister und Doublegewinner ist Borussia Dortmund, der FC Bayern muss sich in beiden Wettbewerben mit Platz 2 begnügen, hat aber noch die Chance die Champions League ‘Dahoam’ zu behalten.
Schalke 04 sicherte sich vor Borussia Mönchengladbach die Champions League-Teilnahme, die dafür mit Bayer Leverkusen, dem VfB Stuttgart und Hannover 96 in der Europaleague antreten dürfen.
Den Abstieg in Liga 2 müssen der 1. FC Kaiserslautern, der 1. FC Köln und nach hartem Relegationskampf Hertha BSC antreten, dafür sind in der kommenden Saison der SpVgg Greuther Fürth, Eintracht Frankfurt und Fortuna Düsseldorf nebst stürmischem Anhang in der Liga dabei.
Aber wie hat es alles begonnen in dieser Saison? Am ersten Spieltag war noch Stuttgart an der Spitze zu finden und der FC Bayern gar nach einer Niederlage im ersten Spiel gegen Gladbach auf den 12. Rang gerutscht. Zumindest die jetzigen Absteiger hatten ihrem späteren Schicksal gleich ihre ersten Spiele allesamt verloren.
Auch nach der ersten Hälfte der Saison war noch alles drin gewesen: Der FC Bayern war an der Spitze zu finden, Köln und Hertha dümpelten in der Mitte der Liga herum, aber schon drei Spieltage später war dies alles wieder egalisiert. Die Bayern gaben nach einem Remis gegen den HSV ihre Tabellenführung an den BVB ab und Kaiserslautern und die Hertha rutschten auf abstiegsnahe Plätze ab.
Am 30. Spieltag war die Meisterschaft dann klar: Dortmund schlug den FCB mit 1:0 (wir berichteten) und auch die anderen 6 Ränge waren schon an die späteren ‘Europafahrer’ vergeben. Kaiserslautern war zu dem Zeitpunkt auch nur noch rein rechnerisch in Liga 1 und Köln und Hertha waren auf den Abstiegsrängen. Bis auf die Frage, wer es in die Relegation schaffen würde, war alles klar.
Und da lieferten sich Hertha und Köln einen ‘Zweikampf der Erfolglosen’. Erst im letzten Spiel gelang der Hertha ein Sieg gegen die TSG Hoffenheim, während Köln deutlich beim FC Bayern unterlag. Somit hieß es Relegation gegen Düsseldorf für die Hertha (dazu später mehr). Dieses gewann Düsseldorf nach zwei umkämpften Spielen, in denen sich die Hertha phasenweise nicht erstligareif präsentierte und somit verdient abstieg. Diesen Abstieg sahen immerhin laut Umfrage 60% der Besucher dieses Blogs im Februar schon voraus.
Damit endete diese Saison gestern mit dem spektakulären Aufstieg Düsseldorfs, und uns steht nur noch das CL-Finale in München und danach die EM bevor. Für Kurzweil ist gesorgt ;)
Im nächsten Jahr erwarte ich vor allem von Borussia Dortmund national und international gute Spiele, auch wenn sie diese nächste Saison vermutlich ohne Kagawa auskommen müssen, der kurz vor einem Wechsel steht. Vom FC Bayern erwarte ich im nächsten Jahr international etwas weniger, da die sich vor allem in den Spielen gegen den BVB erstaunlich unreif präsentierten. Trotzdem ist das Eindringen ins CL-Finale gegen Chelsea eine enorme Leistung und ich lass mich auch gern hier eines besseren belehren.
Von Stuttgart und Gladbach verspreche ich mir nach starker Rückrunde durchaus auch einige Erfolge in der Euroleague, wenns auch zum Sieg vermutlich nicht reichen wird. Hannover und Leverkusen spreche ich die Erfolge mal ab, da ich mir das irgendwie nicht vorstellen kann. Aber auch hier gilt: Belehrt mich ruhig eines Besseren!
Die Aufsteiger aus Liga 2 einzuschätzen fällt mir etwas schwer, da ich deren Saison nicht durchgehend beobachtet habe, aber ich denke, dass es hier einige interessante Spiele geben wird.
Den Herthanern trau ich den Sprung zur Fahrstuhlmannschaft zu, da einige gute Spieler wie zum Beispiel Kraft und vermutlich auch wieder Raffael, Hubnik und Ramos den Verein in Liga 2 begleiten werden. Auch wenn die Berliner noch einen Protest gegen die Wertung des Düsseldorfspiels einlegen sollten, glaube ich nicht, dass dies noch etwas am Ergebnis verändern wird. Ansonsten hoffe ich auf einen Aufstieg des FC St. Pauli, der ihn diese Saison nur knapp verpasst hat und ansonsten lass ich mich hier überraschen.
Eins steht auch jetzt wieder fest: Die nächste Saison wird sicherlich interessant und spannend, vor allem im Meisterkampf.
Eine Buchbesprechung konntet ihr bei uns bereits zum Buch von Buch von Philipp Lahm lesen. Zu Ultras im Abseits?, welches am 15. April erschien, gab es weniger Aufregung und bedeutend weniger Medienstimmen im Vorfeld.

Auch sonst gibt es keine Gemeinsamkeiten: In Ultras im Abseits? Porträt einer verwegenen Fankultur schildern die Autoren unaufgeregt, sachlich und detailliert die Lage der sogenannten Ultras in Deutschland. Es ist in sechs Kapitel untergliedert: 1. Fankultur im Wandel; 2. Von Rebellen, Idealisten und Pragmatikern; 3. Einblicke in eine verborgene Szene; 4. Umstritten und gefürchtet; 5. Ultras von außen; 6. Ultras im Abseits?
Im ersten Kapitel wird beschrieben, wie sich einzelne Aspekte für Fans in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt positiv und negativ verändert haben (ein Bsp.: mehr Komfort in den Stadien durch höhere Einnahmen aus Werbung und TV-Übertragungen) und die Begriffe Hooligan und Ultra werden differenziert betrachtet. Nach den teilweise unerfreulichen Ereignissen im vergangenen Jahr (siehe dieser SPOX-Bericht) ist dies eine nötige Aufarbeitung.
Dadurch, dass in den folgenden Kapiteln Wissenschaftler, Journalisten, Fanbeauftragte, Ultras, Polizisten und viele mehr zu Wort kommen, wird das Thema ”Ultras in Deutschland” in diesem Sammelband von verschiedenen Seiten betrachtet. Ganz nebenbei wird die Entstehung der Fankultur in Deutschland beschrieben.
Kaufempfehlung: Wer nun neugierig geworden ist und/oder Vorurteile ausräumen möchte (“Ultras = schlägernde Hooligans”) kann dieses Buch hier bei Amazon bestellen.



